27. August 2010

Tea-Nobilis.de unterwegs–Tee in Taiwan (4)

This entry is part 4 of 5 in the series Tea-Nobilis.de unterwegs–Tee in Taiwan
Bamboo-Reis, Spezialität in Taiwan

Bamboo-Reis, Spezialität in Taiwan

Etwas gebeutelt von der holprigen und kurvenreichen Strecke sind wir angeschlagen. Wir gehen Essen, Mr. Chen hat hunger. Schauen wir mal, was auf den Tisch kommt. Die Bedienung serviert Teller mit Gemüse, Bamboo-Reis und Fleisch. Wir probieren vorsichtig, es sieht aus wie Schweinebraten und schmeckt wie Schweinebraten, in der Tat, es ist so etwas wie Scheinebraten wie er bei uns in Bayern üblich ist. Nur die Soße ist nach taiwanesischer Art gewürzt und macht Appetit auf mehr. Wir reden über Tee und dessen Bedeutung für diese Region. Jährlich finden in den berühmten Tee-Gegenden Tee-Prämierungen statt. Die prämierten Gewinner werden um mehrere hundert Dollar gehandelt, für 150g versteht sich. Die Menge der ausgezeichneten Tees ist begrenzt, die Dosen werden versiegelt und stehen dann zum Verkauf zur Verfügung – Raritäten weltbekannt.
Wir brechen auf und fahren wieder nach Lugu, in die dort ansässige Tea-Farmers Association. Gerade treffen dort immer wieder Farmer mit ihren Prämierungskandidaten ein. Wir steigen aus und tauchen direkt in den intensiven Duft von Dong Ding Oolong Tee ein. Die große Anhäufung von hochwertigem Oolong Tee in und um die Tea-Farmers Association taucht den ganzen Platz vor dem Gebäude in eine aromatisch frisch wabernde Wolke. Die hochwerigen Tees gehen von hier auf große Reise um die ganze Welt zu den Tee-Liebhabern und Tee-Kenner rund um den Globus. Die Annahmestelle Tea-Farmers Association ist nicht einsehbar, Sichtschutz verhindert, daß die Tee-Farmer sich gegenseitig beobachten können, alles in allem eine ernste Angelegenheit.
Wir stöbern im Tee-Laden und probieren einige Tee-Sorten, ich will 2 bis 3 neue Tees mitbringen, jedoch nicht zum Verkauf bei Tea-Nobilis.de. Unsere Tees kommen aus anderen Gebieten, dort wo nach neu entwickelten ökologisch verträglichen Methoden angebaut wird. Die taiwanesiche Regierung fördert Tee-Farmen, die alternative Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen erarbeiten. Es kommen Pflanzenextrakte und widerstandsfähige Pflanzenzüchtungen zum Einsatz.

HRS Train in Taichung, Taiwan

HRS Train in Taichung, Taiwan

Der Tee-Laden bietet eine große Auswahl an Tee-Zubehör wie Teeschalen, Tee-Kannen und Tee-Schiffen an, und natürlich den hochwertigen prämierten Dong Ding Oolong Tee. Ich kaufe eine Dose und habs bis heute nicht übers Herz gebracht, das Siegel zu brechen und den Tee zu kosten.
Die Zeit drängt, unser Zug zurück nach Taipeh fährt in etwa einer Stunde. Deshalb brechen wir auf und machen uns auf den Weg zurück nach Taichung, einen wunderbaren Tag in den Bergen in Erinnerung.
Der Tag ist noch längst nicht vorbei. Was es noch abends in Taipei zu berichten gibt, könnt ihr in den folgenden Tagen lesen…

25. August 2010

Tea-Nobilis.de unterwegs–Tee in Taiwan (3)

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Tee-Gärten nahe Lugu

Tee-Gärten nahe Lugu

Wir setzen unsere Fahrt fort, die Straße wir immer schmaler, oft durchqueren wir einen Bach, das Wasser spritzt. Es geht weiter bergauf. Dort oben, auf nahezu 2000 m Höhe ist die Vegetation rückständig, dort ist der Tee gerade ernte-reif. Wir treffen ein paar Pflückerinnen an. Zwischen Tee-Sträuchern und Nebel versteckt verrät sie der markante Hut, der die Pflückerinnen am Morgen, wenn der Nebel noch nicht den Berg hinaufgezogen ist,  vor der Sonne schützen. Die Gewänder der Pflückerinnen sind bunt und luftig und verdecken zum Schutz vor Sonne und Ungeziefer nahezu den ganzen Körper. Ein großzügig dimensioniertes Kopftuch verdeckt Nacken und teilweise das Gesicht. Der Anblick ist für uns amüsant, im Gegenzug empfinden die Pflückerinnen den Besuch von Europäern als willkommene Abwechslung. Dem Taiwaner typisch ist seine anfangs sehr ausgeprägte Schüchternheit, die nach kurzer Auftau-Phase schwindet. So auch hier, ein Foto mit den Beschäftigten scheint anfangs nicht machbar. Wir respektieren die Leute und versuchen zuerst, etwas Vertrauen aufzubauen. Wir reden über Tee, über die laufende Ernte, den Problemen, die in den letzten Wochen aufgetreten sind und über mögliche Bedrohungen durch Taifune und Erdrutsche. Tee ist präsent, immer und überall, er ist Mittelpunkt im Leben dieser Leute. Langsam bricht das Eis, die Pflückerinnen beginnen auf uns zuzugehen, sie schätzen unser Interesse an Tee und zeigen uns ihre Welt.

Tea-Nobilis.de Gründer  in Dong Ding Oolong Tee Garten

Tea-Nobilis.de Gründer in Dong Ding Oolong Tee Garten

Sie zeigen mir, wie sie pflücken, die obersten 3 Blätter samt frischer Knospe werden mit einer speziell angefertigten Klingenkombination blitzschnell und mit einem Handgriff abgetrennt. Die Frauen sind überzeugt von der Qualität und Sorgfalt ihrer Arbeit, der Qualität ihres Tees. Wir respektieren ihre Arbeit, würdigen ihr Können und zeigen ihnen so Wertschätzung, “show a good face” wie man in Taiwan gerne sagt. Ungewohnt für uns Europäer ist das Gesicht-Wahren in Asien ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg und zum Respekt. In meiner langjährigen Erfahrung mit Taiwan und intensiver Geschäftsbeziehung bin ich durch eine harte Schule gegangen, mit Rückschlägen und mit Erfolgen. Die Pflückerinnen haben mittlerweile so viel Vertrauen geschöpft, daß sie jetzt zu Fotos zustimmen. Sie finden das jetzt ganz lustig und amüsieren sich. Wir machen ein paar Schnappschüsse und beobachten die Leute noch ein wenig, dann brechen wir auf, wir wollen sie nicht zu sehr von der Arbeit abhalten. Nächste Station ist eine kleine Tee-Manufaktur ein paar hundert Meter weiter, eine kleine Wellblech-Halle mit den typischen Utensilien: geflochtene Körbe für die Fermentation, geflochtene Trommeln, Blatt-Roll-Maschinen und den gasbetriebenen Blatt-Trockner. Im Freien stehen Unmengen an Gasflaschen zum Heizen der Trockner-Trommeln.

Tee-Garten mit Tee-Pflückerin

Tee-Garten mit Tee-Pflückerin

Tee wird geerntet, dann werden die Blätter zum Welken am Boden ausgelegt. Anschließend erfolgt ein Fermentationsschritt, je nach Tee-Sorte entsprechend festgelegt. In Tüchern gewickelt werden die Blätter dann gerollt, dazu wird der Tuch-Ballen in eine spezielle Maschine gegeben. Ziel ist es, die Blätter sanft zu brechen. Danach wird der Fermentationsprozess mittels Hitze gestoppt. Es folgen weitere Fertigungsschritte. Genaue Details über den Prozess erfahren wir hier in dieser Manufaktur nicht. Immerhin wird gerade ein Prämierungs-Kandidat vorbereitet, der genaue Fertigungsablauf ist ein wohlgehütetes Geheimnis. Auch Fotos sind hier nicht erwünscht, zu groß ist die Angst, der Wettbewerb könnte Details des Prozesses erfahren und kopieren.
Unterwegs halten wir an einem Restaurant, Hunger macht sich breit bei Mr. Chen. Meinen Begleitern und mir ist nicht ganz so wohl, war die Fahrt auch extrem kurvig und hat uns an einen Sturm auf hoher See erinnert.

In ein paar Tagen geht es weiter mit taiwanesischem Schweinebraten…

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