12. Oktober 2010

Japanische Teezeremonie

Japanische Schrift

Japanische Schrift

Bereite wohltuenden Tee
lege die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzt
Vermittle Wärme im Winter und Kühle im Sommer
arrangiere die Blumen wie in der freien Natur
Mache alles wohl im Voraus
Bereite dich auf Regen vor, auch wenn nichts darauf hindeutet
und schenke dein ganzes Herz deinen Gästen.

Die sieben Regeln (des Teeweges) von Sen-no-Rikyu

Viele Japanreisende haben ein großes Interesse an der japanischen Teezeremonie. Was vielen allerdings nicht bewusst ist, ist dass diese Zeremonie, oder besser: Der „Teeweg“, wie die wörtliche Übersetzung lautet, tatsächlich nach asiatischem Verständnis einen Lebensweg darstellt, dessen Meisterschaft Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Ebenso, dass eine Einladung zu einer Teezeremonie etwas sehr persönliches darstellt und gewöhnlich drei, vier oder sogar mehr Stunden in Anspruch nimmt.

Nun kann man sich natürlich zurecht die Frage stellen, ob man beispielsweise als interessierter Tourist an einer „echten Teezeremonie“ teilnehmen kann.

Da die japanische Teezeremonie eine kulturelle Besonderheit ist, werden natürlich auch verkürzte Versionen für Interessierte angeboten, die einen sehr guten Überblick über die Inhalte der Teezeremonie geben.

Die Teezeremonie in ihrer heutigen Form ist je nach Schulrichtung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im wesentlichen gibt es aber zwei große Schulen in Japan, die sich auf Sen-no-Rikyu, einen Teemeister des 16.Jh., der die Teezeremonie in ihrer heutigen Form geschaffen hat, berufen. Sinn und Zweck einer solchen Zeremonie ist es eine harmonische Atmosphäre zu schaffen. Nicht selten wurden und werden Differenzen zwischen zwei Parteien auf diese Art beigelegt. Alle Unterschiede sollen von vornherein aufgehoben sein, und so könnte man auch sagen, dass es sich hierbei um eine frühe Form der Mediation handelt.

Tee-Zeremonie

Die Gäste werden zunächst einmal vom Gastgeber, also dem Teemeister bzw. heutzutage zumeist der Meisterin empfangen. Nachdem man sich innerlich vorbereitet hat, wird man in das eigentliche Teehaus gebeten, wobei man für gewöhnlich über einen kleinen Pfad im Garten geführt wird. Das Teehaus ist ein bewusst klein und eng angelegtes Gebäude oder ein Raum, in dem die Gäste zur Ruhe und Demut gebracht werden sollen. Überdies sind die Teeräume oder das Teehaus so angelegt, dass man einen schönen Ausblick auf eine Gartenanlage oder die freie Natur hat, was ebenfalls zur inneren Sammlung beitragen soll. Während man Platz nimmt, wobei der Ehrengast vor der Tokonoma genannten Bildernische sitzen soll, bereitet der Teemeister die eigentliche Zeremonie vor. Wie gesagt: Hier ist alles geregelt, oder gar ritualisiert: Jede Bewegung, bis hin zu den Schritten des Gastgebers, ist festgelegt. Dies macht es auch so schwierig, die Teezeremonie zu erlernen. Nicht selten vergehen zehn bis zwölf Jahre, bis man diese Zeremonie gemeistert, d.h. den Rang eines Teemeisters bekleidet und einen eigenen Namen bekommen hat.

Zunächst einmal bekommen die Gäste sogenannte „Okashi“ (Süßigkeiten) gereicht. Diese Süßigkeiten sind in der Tat sehr süß und stehen bewusst im Kontrast zum bitteren Tee, der erst nach dem Verzehr der Süßspeise bereitet und gereicht wird. Auch hier steht wieder die Harmonie im Vordergrund – Die Süße der Speisen sollen die Bitterkeit des Tees aufheben.

Bei der Teezubereitung wird grundsätzlich klares Quellwasser in einem Teekessel über der Feuerstelle im Teeraum aufgekocht. Daraufhin wird unter strenger Berücksichtigung der Abfolge der Bewegungen Matcha-Pulver in eine Teeschale gefüllt und dann der Tee aufgegossen. Nachdem der Tee dann mit einem Bambusbesen aufgeschäumt wurde, wird die Schale vor den Gast gestellt. Je nach Anzahl der Gäste – meist nicht mehr als drei oder vier – wird dieser Vorgang wiederholt. Erst auf Einladung des Gastgebers werden sowohl die Süßigkeiten als auch danach der Tee zu sich genommen. Dem Gastgeber ist daran gelegen, dass seine Gäste sich wohlfühlen und so dürfen die Gäste, die mit der Teezeremonie nicht oder nur wenig vertraut sind, ihren Tee so trinken, wie es ihnen zusagt. Kenner jedoch sind auch hier an festgelegte Formen gebunden und sollten ihren Tee beispielsweise mit drei ebenfalls festgelegten Schlucken austrinken.

Die Teeschale ist, wie auch das Rollbild mit der Kaligraphie und das Blumengesteck in der Bildernische (Tokonoma) von der Farbgebung und Gestaltung her exakt der jeweiligen Jahreszeit angepasst. D.h., leuchtende Farben und jeweils aktuelle Blüten und Pflanzen im Frühjahr und eher warme und gedeckte Farben sowie beispielsweise Anspielungen auf den Vollmond im Herbst. Ebenso sollten insbesondere Frauen ihre Kleidung der Jahreszeit entsprechend nach Mustern und Farben anpassen. Bei all dem geht es nicht nur um die Harmonie von Farben, sondern vielmehr um Harmonie als übergreifendes Thema: Im Idealfall soll die Zeremonie mit ihren Beteiligten als harmonisches Gesamtkonzept in der sie umgebenden Natur aufgehen und alles sich ganz natürlich und selbstverständlich ineinanderfügen. Die Selbstbezogenheit der Menschen soll zumindest für die Dauer der Zeremonie abgelegt und vergessen werden. In dieser Hinsicht besteht eine starke Nähe zum Zen-Buddhismus, woraus sich vielleicht erklärt, dass viele große Teemeister Japans auch häufig Zazen (Sitzmeditation) betrieben haben, oder gar selbst Geistliche waren bzw. sind.

Sen-no-Rikyu hat das Wesen der Teezeremonie letztlich mit den folgenden Schlagworten zusammengefasst:

  • Wa – Harmonie
  • Kei – Respekt/Demut
  • Sei – (innere) Reinheit
  • Jaku – Stille (ggf. Einkehr, Kontemplation)

Robert Horst – Japanologe

Quelle: Text und Bilder wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von www.reisefieber.net

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