30. September 2009

Gegensätze ziehen sich an

Category: Allgemein,Taiwan — @ 22:54
Panasonic High Speed Chip Mounter

Panasonic High Speed Chip Mounter

Taiwan (Formosa) war lange Zeit einer der größten Standorte für Computer-Elektronik. Dieses Land zeigt wahre Gegensätze.
In Fabriken tummeln sich automatisierte Fertigungsstraßen und unzählige Leute. Maschinen, die bis zu 10 Bauteile pro Sekunde auf Baugruppen “nageln”, werkeln im 3 Schicht-Betrieb dahin. Umsatz, Effizienz, Kosten — das sind die Werte in diesen Firmen.

Tee mit Freunden

Tee mit Freunden

Abends kehrt Ruhe ein. Mit den Freunden oder der Familie wird frisch aufgegossener Tee getrunken. So regenerieren sich Taiwanesen von dem Lärm in den Fabriken, den die Maschinen verursachen. Diese Menschen schaffen es, die Hektik des Tages durch den Zusammenhalt der Familien und den Genuß des Tees verschwinden zu lassen.
Gegensätze — eine interessante Kombination.

So läßt es sich leben.

27. September 2009

Schweinegrippe — H1N1

Category: Allgemein — Helmut @ 00:11

H1N1 Aufklärung in Taipei

H1N1 Aufklärung in Taipei

Ich reise regelmäßig nach Taiwan, auch während SARS, Vogelgrippe und H1N1 die Runde gemacht haben.
Ich sehe jedesmal von neuem, wie Taiwan (Formosa) mit solchen Seuchen umgeht. Es zeichnet sich ein Muster ab. Wir nennen es mal Erfahrung. Wirkungsvolle, kleine, effiziente Maßnahmen, um der Ausbreitung der Schweinegrippe entgegenzuwirken. Während wir in Deutschland über Impfungen diskutieren, deren Kosten schnell mal die Höhe von 500 Millionen Euro, oder darüber erreichen können, werden Regierungen in anderen Ländern einfach tätig. Da wird nicht lange herumdiskutiert und das Thema in den Medien breitgetreten. Da kommt ein mehrstufiger Aktionsplan auf den Tisch, falls es sein muß, auch mal von der kommunalen Administration.
Für den Geschäftsreisenden oder Touristen fängt das mit der Landung in Taiwan (Formosa) am Flughafen an. Dort bekommt man erneut einen Schweinegrippe-Aufklärungsbogen, falls man seinen im Flugzeug vergessen hat. In knappen Sätzen wird leicht verständlich H1N1 erklärt, die Symptome, und wie man eine Weiterverbreitung  dieser Pandemie vermeiden kann. Die Telefonnummer der taiwanesichen Info-Zentrale ist vermerkt und auch der Hinweis, daß das internationale Hotelpersonal weiterhelfen kann. Steigt man aus dem Flugzeug aus, passiert man einen Desinfektions-Teppich, der mögliche Erreger, die sich im Flugzeug an die Schuhsohlen geheftet haben, direkt vernichtet. Weiter geht es mit dem Temperatur-Scan aller Einreisenden mit der Wärmebild-Kamera. Das ist eine anerkannte Methode, die Körpertemperatur von Menschen zu messen. In Deutschland wird über den Sinn dieser Maßnahme noch diskutiert (Stand 27.9.2009). In Taiwan werden Einreisende mit erhöhter Körpertemperatur von der Gesundheitsbehörde zu einem Aufklärungsgespräch gebeten. Abgesehen davon werden Mundschutz und Fieberthermometer überreicht verbunden mit der Aufforderung, Menschenmassen (U-Bahn, Bahnhöfe, große Firmen usw.) in den nächsten Tage zu meiden.

Feld-WC auf Taiwan

Feld-WC auf Taiwan

Angekommen im Hotelzimmer liegt ein nettes Willkommensschreiben auf dem Tisch, Thema H1N1 (“Schweinegrippe”). Wieder ein klares Statement: Taipei hat einen Plan. Es folgen Hinweise und Ratschläge darüber, dass Mundschutz, Fieberthermometer und Desinfektionsmittel an der Rezeption bereit liegen. In den Hotels gibt es einen speziellen  Reinigungsplan zur Desinfektion. Hier wird sprichwörtlich die Klinke geputzt — und die Knöpfe im Aufzug. Geht man morgends, mittags oder abends in den Speisesaal, wird man vom charmanten Hotelpersonal gebeten, die Hände zu desinfizieren.
Nach dem Frühstück geht es in das Büro. Die nette Rezeptionistin am Empfang der Firma begrüßt jeden freundlich und auch hier wieder die Bitte: “Hände desinfizieren”. Hat jemand einen Husten, dann sollte er besser gleich einen Mundschutz tragen oder eine eventuelle Allergie mit einem ärztlichen Attest nachweisen können. Die Angst dort gilt abgesehen der persönlichen Gesundheit des Einzelnen auch einem möglichen finanziellen Schaden durch Infektion, den die Firma erleiden könnte.
An einem Tag während des Taiwan-Aufenthaltes besuchen wir eine Fabrik. Die Begrüßung dort: Der Pförtner rückt mit einem Infrarot-Thermometer an, jeder im Auto muss seine Stirn hinhalten. Erhöhte Temperatur? — Bitte draußen bleiben! In manchen taiwanesischen Unternehmen gehen die Vorschriften noch weiter: z.B. der Besucher und die Mitarbeiter dürfen sich nur auf 2 Meter Distanz annähern.

Ich könnte noch weiter erzählen,…
In Taiwan versuchen die Menschen, der Verbreitung von H1N1-Influenza mit einfachen, günstigen und effizienten Mitteln zu begegnen:

  • regelmäßiges Händewaschen

  • regelmäßige Händedesinfektion
  • Mundschutz
  • Aufklärung (z.B. nicht ins Auge fassen oder in der Nase popeln)
  • bei Verdacht besondere Aufklärung und Fernhalten von Menschenmassen

Ziel ist zum Einen der Schutz der Bevölkerung vor starker Ausbreitung der “Seuche”. Zum Anderen eine unternehmerische Risiko-Minimierung zur Vermeidung von finanziellen Schäden.

Wie bei allen Erkrankungen mit erhöhter Temperatur hat der Mensch mehr Durst. Taiwanesen trinken in einem solchem Fall vermehrt Tee.

In Deutschland wird erst einmal über Impfungen diskutiert und darüber, welche Bevölkerungsgruppe zuerst geimpft werden darf. Ist die Impfung wirksam? Gibt es zu erwartende Nebenwirkungen? Wie ist die Risiko-Nutzen-Abwägung? Wer zahlt die H1N1 Impfung?
Die Diskussion über den finanziellen Schaden, wenn in einem Unternehmen schnell mal 10 oder 15 Leute für 7 Tage erkranken und die so deutschlandweit anfallenden Kosten, die die Krankenkassen tragen dürfen, die haben wir irgendwie vergessen.

Was wir auch vergessen: Aufklärung, Maßnahmen. Was wir gut können: diskutieren — diskutieren über Wirksamkeit von Maßnahmen.
Was wirklich zählt, ist Erfahrung. Meiner Meinung nach hat man in Asien dazugelernt, in Deutschland nicht. Während wir über Impfstoff diskutieren, fährt Frau Schmidt zum Wahlkampf nach Spanien und läßt sich ihren Dienstwagen klauen. Wir brauchen ja nichts zu tun, wir haben ja unsere Freunde ”Nova” und “GlaxoSmithKline”.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Entschuldigung, liebe “Schweinefleisch-Lobby”, wir sagen jetzt “neue Grippe” und nicht mehr “Schweinegrippe”, denn es soll nicht noch eine Fleisch-Krise ausbrechen, die Deutschland vielleicht noch total ins Verderben stürzen.

22. September 2009

"Organic" Kennzeichnung in Taiwan

Category: Bio/Organic,Taiwan — Tags: , , , – Helmut @ 00:40
MOA Organic Label

MOA Organic Label

In Taiwan boomt “Bio”. Viele kleine Geschäfte bieten Organic-Lebensmittel an, es gibt die ersten Organic-Gourmet-Supermärkte. Bisher war die Organic-Kennzeichnung in Taiwan (Formosa) an Empfehlungen gekoppelt. Seit Anfang 2009 ist eine Zertifizierung vorgeschrieben. Sie wird vom Gesetzgeber gefordert und über den Council of Agriculture und umgesetzt.
Jedes in Taiwan auf dem Markt als “Organic” gekennzeichnete, landwirtschaftliche Produkt muß bei einer der vier akkreditierten Zertifizierungsstellen bestätigt sein.
Damit beauftragt sind in erster Linie:

Die Zertifizierungsstellen in Taiwan (Formosa) sind seit 2003 beratend tätig und jetzt mit der verbindlichen Zertifizierung beauftragt. Taiwan setzt damit klare Zeichen um die Produktqualität im eigenen Land zu sichern. Dadurch wird zukünftig auch die Qualitätssicherung von Exportware aus Taiwan transparenter.

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